Schön, dass Sie unsere Lesestadt besuchen!

Die Lesestadt unserer Schule ist ein Ort, der Kindern einen außergewöhnlichen Zugang zum Lesenlernen und Lesen ermöglicht. In kreisförmiger Anordnung sind in einem Klassenraum kulissenartige Hausfassaden aufgestellt. Hinter diesen Fassaden sind Arbeitsstationen mit je zwei Schülerplätzen eingerichtet. In der Mitte des Raumes befindet sich der Marktplatz, an dem die Stadtverwaltung an einem runden Tisch ihren Sitz hat, und von dem aus die Kinder ihre Ergebnisse präsentieren können. Außerdem gibt es kleine Gruppentische, an denen allein oder gemeinsam mit anderen Kindern gearbeitet werden kann.

 

Kompetenzorientierte Aufgaben, die in einem individualisierten Unterricht ihren Platz haben, geben den Schülern Sicherheit im Umgang mit den Angeboten der Lesestadt. Die Schüler bestimmen nicht nur den Schwierigkeitsgrad der Aufgaben, sondern auch ihr Lerntempo selbst. Ihnen wird die Freiheit gelassen, ihre Fähigkeiten und Interessen einzusetzen und zu nutzen. Die Lesestadt ermöglicht den Kindern einen freien Zugang zu Büchern. Sie erreicht eine Stunde lang alle Schüler, da sie Leseangebote für verschiedene Begabungen bereithält. Auch Schüler mit bereits erworbener Erfahrung können in einem Themenbereich weiterarbeiten und ihr Wissen an Mitschüler weitergeben. Durch die optische Abgrenzung der einzelnen Stationen zueinander ist ein ruhiges, konzentriertes Arbeiten allein und in kleinen Gruppen möglich.

Lesen stellt eine wichtige Schlüsselfunktion dar, die für fast jedes Lernen unverzichtbar ist. Das Lesen-Können öffnet die Tür für viele Bereiche des Lernens, das Nicht-Lesen-Können verschließt sie hingegen. Wichtig ist dabei immer der Aufbau und Erhalt von Lesemotivation. Lesekompetenz kann von einer Lehrkraft nicht gelehrt werden, denn die Schüler müssen sie selbstständig entwickeln. Sie müssen motiviert sein, sich mit Geschriebenem auseinanderzusetzen. Hier leistet die Lesestadt einen außerordentlich wirksamen Beitrag.

 

Erfolgserlebnisse sind für den Aufbau und den Erhalt von Lesemotivation zwingend notwendig. Damit alle Kinder Erfolgserlebnisse haben, stellt die Lesestadt ihnen Texte und Bücher mit unterschiedlichen Schwierigkeitsniveaus zur Verfügung. Nicht nur für die Vorschüler und Leseanfänger gibt es eine Bücherecke mit Bilderbüchern, die nicht nur angeschaut, sondern auch regelmäßig vorgelesen werden. Denn es bleibt unbestritten, dass das Vorlesen eine der wirksamsten Möglichkeiten ist, Kindern Freude an Büchern und am Lesen zu vermitteln. Ein „Lesesofa“ lädt zum Verweilen bei einer längeren Lektüre ein und wird auch gern zum Vorlesen von Schülern und Lehrern genutzt.

 

 

Wichtig für die Arbeit in der Lesestadt ist auch das selbstständige, stille Lesen, denn dieses Lesen entspricht dem Lesen im Alltag. Wenn Kinder leise, für sich und in ihrem Tempo lesen können, ist dies die einfachste Form der Individualisierung und Differenzierung im Unterricht. Durch die besondere Atmosphäre in der Lesestadt wird unseren Schülern die Möglichkeit dazu gegeben.

 

Im Schuljahr 2011/2012 begann unsere Schule mit der ersten FLY-Gruppe (Eltern und Lehrkräfte arbeiten gemeinsam mit den Kindern). Die Idee den Lernort Lesestadt mit der FLY-Arbeit zu verbinden, wurde erfolgreich durchgeführt und als gelungenes Unterrichtsbeispiel im Rahmen des „Mini King Sejong – Preises“ prämiert. Die „Good practice-Beispiele“ sind in einer Handreichung und auf der Website (www.li.hamburg.de) des Landesinstituts für Lehrerbildung und Schulentwicklung Hamburg (LI) veröffentlicht.

Beispiele aus elf Hamburger FLY-Schulen
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Im Rahmen eines Besuches in Hamburg waren im Januar 2013 Mr. Tap Raj Pant, National Programme Officer (Education), UNESCO Office in Kathmandu (www.unesco.org/kathmandu) und Dr. Gabriele Rabkin (2010: Internationaler King Sejong Alphabetisierungspreis der UNESCO, LI) an unserer Schule, um sich über die Lesestadt zu informieren.

Der Besuch des Botschafters diente vor allem dazu, gelungene Ideen von Hamburger FLY-Projekten kennenzulernen und für die Entwicklung von FLY-Projekten in Nepal zu nutzen und an nepalesische Bedingungen zu adaptieren. Für unsere Schule war dieser Besuch eine Ehre und eine Auszeichnung zugleich, zeigte er uns doch, dass wir mit der FLY-Projektarbeit in der Lesestadt, in der die Kinder im Mittelpunkt der Förderung stehen, einen Weg gefunden haben, die Arbeit zwischen der Schule und dem Elternhaus auszubauen und zu vertiefen.

 

Wir werden diesen Weg weitergehen!